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Der Google Hotelfinder – Fluch oder Segen?

Geschrieben am 02.12.2012

Der Google Hotelfinder mischt die Karten neu

 

Mit dem Start des Google Hotelfinders auch in Deutschland und Österreich stieg die Nervosität der Hotellerie sprunghaft an. Vermutungen es könnte am noch fehlenden Schnee liegen halte ich für übertrieben. Viel mehr stelle ich mir die Frage „Ist der Google Hotelfinder für die Hotellerie ein Fluch oder ein Segen?“

Zuerst die wichtigsten Vorteile/Kompetenzen des Finders zum besseren Verständnis
 

  • Google bietet eine maßgeschneiderte Hotelsuche mit der bekannt sehr guten Kartenlösung. Die bevorzugte geografische Region kann individuell und einfach definiert werden.
  • Aufgrund der „Google Places Einträge“ verfügt Google bereits über so gut wie alle Hotels und meist auch über Detailinfos sowie Bilder, Bewertungen werden nun aufgebaut.
  • Bei der Preisinformation und dem direkten Link auf die Buchbarkeit wird mit großen Buchungsplattformen (OTS´s) zusammen gearbeitet (z.B. booking, hotels.com, expedia.at, eurobookings.com, hrs.de). Die Preisinformation kann aber auch von anderen wie z.B. von Hotelgruppen (BestWestern) oder von technischen Anbieter von Buchungssystemen (z.B Seekda) geliefert werden
  • Preisvergleichbarkeit – Besonders Userfreundlich ist der von Google errechnete Mittelpreis und die Anzeige ob der aktuelle Preis darüber oder darunter liegt. So werden in Zukunft die „günstigeren Raten“ noch besser für den User erkennbar sein.
  • Der wohl wichtigste und Entscheidende Vorteil: Google hat den direkten Kontakt zum Gast bzw. ist unter den Suchmaschinen die unangefochtene Nr. 1

Wenn wir das jetzt aus der Sicht der Hotellerie betrachten ist das eigentlich eine tolle Sache. Der Gast kann komfortabel und mit einer einfachen Bedienung die Informationen rund um Hotelzimmer und Urlaub abrufen. Jedes Hotel direkt buchbar, egal welches der vielen Buchungssysteme verwendet werden. Auch Vorarlberg Tourismus hat dies auf Wunsch der Hotels schon versucht – so gab es vor ein paar Jahren eine Metasuche über die in Vorarlberg im Einsatz befindlichen Buchungssysteme. Diese wurde aber aufgrund der Komplexität und der ständigen Veränderung der Buchungssysteme wieder deaktiviert. So gesehen ist Google die wohl beste Metasuche der Welt! Für den Gast und für das Hotel eine tolle Sache. Also ein Segen?

Die Hotels „leiden“ derzeit unter den stetig wachsenden Provisionen für die Buchungssysteme. Auch die ÖHV hat schon öfters auf die schwierige Entwicklung hingewiesen, dass immer mehr Buchungen mit Provisionen an Portale belastet sind – meist zwischen 10 – 15 %. Die berechtigte Sorge in Zukunft weiter steigende Provisionsrechnungen zu haben lässt deshalb die ganze Branche bangen. Die Rufe nach einem „gegensteuern“ wurden schon laut – die Konzepte wie der Trend gestoppt werden kann waren durch die Bank unglaubwürdig.

Wie wirkt sich der Google Hotelfinder auf die zukünftigen Provisionen aus?
Dass praktisch alle Buchungssysteme ihre Daten an den Hotelfinder übermitteln hat einen einfachen Grund. Ein Großteil der Buchungen werden quasi von den Buchungsplattformen bei Google zugekauft. Wer kennt nicht die Adwords-Schaltungen aller relevanten Buchungsportalen die sie finden wenn das Keywort auch nur im entferntesten mit einer Buchungschance in Verbindung gebracht werden kann. Und jedes Hotel das bei den Adwords „mit bietet“ weiß, dass die Portale höhere Gebote machen können weil sie mehr Angebot haben und der Gast die Vergleichbarkeit sucht.

Der Google Hotelfinder mischt die Karten jetzt neu – die Auswahl des Hotels soll nicht mehr auf der Buchungsplattform sondern bei Google selbst stattfinden. Geschickte Hotels erkennen nun die Möglichkeit wieder besser bzw. direkter an die Gäste zu kommen. Die Frage wird in Zukunft sein ob der Gast nach dem finden des passenden Hotels zu einer Buchungsplattform oder zu dem Hotel direkt geht. In wie fern die Hotels darauf achten ihre Raten direkt (z.B. über Seekda) und nicht über die Buchungsportale an Google zu schicken könnte hier entscheidend sein.

Zwei Gruppen von Hotels prophezeie ich jetzt schon den Hotelfinder als „Fluch“ zu empfinden

 

  • Wenn gar keine Buchungsdaten vorhanden sind (die Auffindbarkeit wird immer mehr zu einer Frage der Buchbarkeit – der Google Hotelfinder wird hier auch nochmals einen Entwicklungsschub in diese Richtung bewirken)
  • Wenn nur über teure Buchungsplattformen Buchungen getätigt werden können

 

Sollten nun viele Hotels dies erkennen

 

...und die Buchungsplattformen nun wieder besser umgehen können und deshalb den „Segen“ erhalten? In dem Falle würde es wohl um die Buchungsplattformen schlecht stehen.

Ein Aspekt macht mir für die Hotels noch Sorgen und den Buchungsplattformen wohl Hoffnung. Schon seit jeher versuchen die Buchungsplattformen die Stammgäste der Hotels über die eigene Plattform zu schleusen und damit auch Provisionen zu kassieren. Was wenn der Hotelfinder auch bei der direkten Suche (also z.B. Hotelname und Ort) verwendet wird? Buchen dann noch mehr Gäste mit fälligen Provisionen ein? Dies wäre für die Hotellerie wohl eher ein „Fluch“.

Wer profitiert neben Google und den Usern noch vom Hotelfinder? Die Buchungsportale oder die Hotellerie?

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